Von der Bundesregierung angekündigte jährliche Entlastung von 100 Euro beim Strompreis wird in fast allen untersuchten Regionen deutlich verfehlt Haushalte sparen hier im Durchschnitt nur 56 Euro pro Jahr, teils liegt Entlastung bei unter 20 Euro Verbraucherzentrale: Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß ist sinnvollere Entlastungsmaßnahme Die von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag versprochene ...
Von der Bundesregierung angekündigte jährliche Entlastung von 100 Euro beim Strompreis wird in fast allen untersuchten Regionen deutlich verfehlt
Haushalte sparen hier im Durchschnitt nur 56 Euro pro Jahr,teils liegt Entlastung bei unter 20 Euro
Verbraucherzentrale: Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß ist sinnvollere Entlastungsmaßnahme
Die von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag versprochene spürbare Entlastung der privaten Haushalte bei den Stromkosten bleibt weitgehend aus. Das zeigt ein aktueller Marktcheck des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Die Analyse belegt: Der Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten bringt in den meisten untersuchten Netzen für Verbraucher:innen in einem typischen Haushalt bei Weitem nicht die angekündigten 100 Euro Ersparnis pro Jahr und fällt regional sehr unterschiedlich aus. Die Bundesregierung muss jetzt auf die Folgen des Kriegs im Iran reagieren und als eine Maßnahme die Strompreise spürbar senken.
„Die Bundesregierung kommt ihren eigenen Zusagen nicht nach. Für die meisten Haushalte bleibt die versprochene Entlastung beim Strom ein leeres Versprechen – und in Folge des Iran-Krieges drohen die Strompreise erneut zu steigen. Die Bundesregierung muss die Stromsteuer für private Haushalte und die Umlagen auf den Strompreis senken. Das entlastet die Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar“,sagt Ramona Pop,Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands.
Senkung der Netzentgelte: Entlastung weit unter den Erwartungen
Die Analyse des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt: Je nach Netzgebiet variiert die Kostenersparnis durch die Reduzierung der Stromnetzentgelte deutlich. Absolut sparen Haushalte in den untersuchten Netzen zwischen 18 Euro pro Jahr (Rostock) und 109 Euro pro Jahr (Mainz). Im Durchschnitt ergibt sich eine jährliche Entlastung von 56 Euro,was 1,61 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und einer Reduktion der Netzentgelte um 15 Prozent entspricht. Nur bei einem von 25 untersuchten Netzbetreibern liegt die Entlastung überhaupt über 100 Euro pro Jahr.
Damit bleibt die Entlastung klar hinter den Regierungszielen zurück. Die Maßnahme wirkt zudem regional ungleich,da Verbraucher:innen je nach Netzgebiet unterschiedlich profitieren. Die Analyse zeigt auch,dass Verbraucher:innen gegenüber der Industrie deutlich schlechter gestellt sind. Der relative finanzielle Vorteil,der sich durch die Senkung der Stromnetzentgelte ergibt,fällt für Industriekunden bei den untersuchten Netzbetreibern durchschnittlich 59 Prozent höher aus als für Verbraucher:innen.
Stromsteuersenkung: Wirksamer und fairer für Privathaushalte
Eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent pro kWh würde für Verbraucher:innen eine Entlastung von rund 68 Euro pro Jahr bedeuten (bei jährlichem Verbrauch von 3.500 kWh) und alle einheitlich und gleichermaßen entlasten.
Infolge des Krieges im Iran drohen die Strompreise erneut anzusteigen,sodass aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands neben der Stromsteuer auch die Strompreisumlagen gesenkt werden sollten. Die Bundesregierung sollte sich an der im Koalitionsvertrag angekündigten Entlastung von fünf Cent pro kWh bei den Stromkosten orientieren. Die Kombination aus Stromsteuersenkung und dem Wegfall der Umlagen würde für Verbraucher:innen in einem typischen Haushalt eine Entlastung von rund 171 Euro pro Jahr bedeuten.
„Die Senkung der Stromkosten war ein zentrales Versprechen im Koalitionsvertrag und wurde bislang nicht eingelöst. Die Bundesregierung muss ihr Wort halten. Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen diese Entlastung mehr denn je“,so Pop.
Methode
Im Rahmen des Marktchecks hat die Verbraucherzentrale die Entgeltübersichten von insgesamt 25 Stromnetzbetreibern in Deutschland ausgewertet. Berücksichtigt wurden zum einen die 10 Betreiber mit den größten Stromkreislängen im Niederspannungsverteilnetz,die zusammen schätzungsweise 46 Prozent der gesamten Niederspannungsstromkreislänge abdecken. Zum anderen wurden die Stromnetzbetreiber der Städte mit der jeweils höchsten Bevölkerungsdichte pro Bundesland einbezogen. Die Datenerhebung erfolgte im Zeitraum vom 25. bis 27. Februar 2026. Grundlage aller Berechnungen ist ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 kWh. Für Industriekunden wurde eine Abnahme von 24 Gigawattstunden mit 6.000 Jahresbenutzungsstunden angenommen.
PM Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
