Handwerkspräsident Dittrich kritisiert die steuerfreie Arbeitgeberprämie scharf. Das Entlastungsinstrument sei ungerecht und falsch. Er fordert die Regierung auf, eine Alternative zu finden.


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Auszubildende in einem Brandenburger Bootsbaubetrieb: »Viele Handwerksbetriebe stehen unverschuldet mit dem Rücken zur Wand«
Foto: Robert Kluba / SZ Photo / picture alliance
Seit Tagen gibt es viel Kritik aus der Wirtschaft an der 1000-Euro-Entlastungsprämie,die Arbeitgeber ihren Beschäftigten steuerfrei gewähren können sollen. Nun fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH),die Pläne zu stoppen. Es wäre gut,»der Staat würde diese unredliche Idee schnellstens wieder einkassieren und durch einen anderen Vorschlag ersetzen«,sagte ZDH-Präsident Jörg Dittrich der »Bild«-Zeitung. Ziel müssten Maßnahmen sein,die »endlich Entlastung für Leistungsträger bringen«.


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ZDH-Präsident Jörg Dittrich: »Das ist das Letzte,was wir jetzt brauchen«
Foto: Frank Hoermann / Sven Simon / picture alliance
Dittrich beklagt,dass die Prämie »sozial ungerecht und wirtschaftspolitisch falsch« sei. »Der Staat wälzt damit nicht nur die Verantwortung auf die ohnehin stark belasteten Betriebe ab. Sie ist auch dazu geeignet,den sozialen Zusammenhalt in unserem Land zu beeinträchtigen. Das ist das Letzte,was wir jetzt brauchen.«
Die schwarz-rote Koalition hatte am Montag beschlossen,dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten 2026 eine steuerfreie Entlastungsprämie von 1000 Euro zahlen können. Eine ähnliche Prämie von maximal 3000 Euro hatte 2022 die Ampelkoalition ermöglicht.
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In den vergangenen Tagen hatten bereits etwa der Steuerzahlerbund und der Arbeitgeberverband BDA die Pläne kritisiert – weil sie Erwartungen in der Bevölkerung schürten,weil Arbeitgeber in der aktuellen Krise keine solche Prämie zahlen könnten und weil Angestellte gegenüber Selbstständigen,Freiberuflern oder anderen Gruppen bevorzugt würden. Lesen Sie hier,wer von der Prämie am meisten profitieren würde.
Mit denselben Argumenten lehnt auch Dittrich die Pläne ab. Es gehe nicht darum,ob man die 1000 Euro zahlen wolle,sondern ob man zahlen könne: »Viele Handwerksbetriebe stehen unverschuldet mit dem Rücken zur Wand,obwohl sie fleißig und innovativ arbeiten.« Es drohe eine »Zwei-Klassen-Gesellschaft« zwischen denen,die zahlen,und denen,die es einfach nicht können. »Das produziert Enttäuschungen bei Beschäftigten und Frustration bei Betriebsinhabern.«
lki
