Illegale Pokerrunden und Automaten werden immer beliebter. Firmen im legalen Glücksspielgeschäft und Politiker möchten das eindämmen. Doch mit welcher Strategie?


Bild vergrößern
Spielautomat in Nordrhein-Westfalen: In kurzer Zeit Existenzen zerstört
Foto: Bernd Thissen / dpa
Der Schwarzmarkt beim Glücksspiel wächst – und auch die Rufe nach schärferen Kontrollen werden lauter. Illegale Märkte müssten konsequent bekämpft und zugleich legale Angebote begrenzt werden,etwa durch größere Mindestabstände zwischen den Spielhallen und Wettbüros,sagt der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,Sebastian Fiedler. »Glücksspielsucht ist aus Sicht der Abhängigen die teuerste Suchterkrankung.« Sie führe bei vielen Betroffenen zu Überschuldung,sozialem Abstieg,Beschaffungs- und Begleitkriminalität.
Der Bundessuchtbeauftragte Hendrik Streeck warnt,in Deutschland entwickelten schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten. »Wir müssen illegales Glücksspiel wirksam zurückdrängen«,sagt der CDU-Politiker. »Und wir müssen sicherstellen,dass das legale Angebot seinem eigentlichen Zweck gerecht wird,nämlich Schutz zu bieten und Risiken zu begrenzen.« In kurzer Zeit könnten Existenzen durch Glücksspiel zerstört werden.
Bundesweit gibt es schätzungsweise 160.000 legale Glücksspiel-Automaten und damit 100.000 weniger als vor zehn Jahren. Illegal aufgestellt sind unterschiedlichen Schätzungen zufolge mindestens 60.000 oder sogar mehr als 100.000 Automaten.
In Schleswig-Holstein wurden 2025 laut dortigem Innenministerium 54 unerlaubte Glücksspielveranstaltungen aufgedeckt,21 mehr als 2024. In Bayern flogen 99 Veranstaltungen auf,das waren 28 weniger als 2024 und 11 mehr als 2023.
Es geht dabei um Pokerrunden und andere Spiele sowie um Automaten in Kneipen,Kulturvereinen und anderen Einrichtungen. Aus Sicht von Branchenexperten hat das Problem des illegalen Glücksspiels einen unterschiedlichen Stellenwert in den Bundesländern: Während manche Bundesländer eher wenig tun und dies mit der Dringlichkeit des Vorgehens gegen andere Straftaten begründen,so wird Schleswig-Holstein attestiert,das Problem ernst zu nehmen. Blickt man auf andere Bundesländer,so sind die von Schleswig-Holstein ermittelten Fallzahlen tatsächlich relativ hoch.
data-area="text" data-pos="23">
Aus der Politik kommt Widerspruch. Die Glücksspielbranche vereinfache die Zusammenhänge,sagt SPD-Innenexperte Fiedler. Die Argumentation à la »Je größer und attraktiver das legale Angebot,desto kleiner die illegalen Märkte« sei nicht haltbar. Fiedler sieht einen höheren Verfolgungsdruck samt spürbaren Sanktionen als zentralen Hebel,um den Schwarzmarkt wirksam zu bekämpfen. »Eine Attraktivitätssteigerung legaler Angebote kann dazu führen,dass der Gesamtmarkt wächst.« Das hält er mit Blick auf die schon jetzt 300.000 bis 600.000 Spielsüchtigen in Deutschland für problematisch.
Schwarzarbeit und illegale Tätigkeiten: Schattenwirtschaft wächst auf mehr als 500 Milliarden Euro




Onlineglücksspiel: Wie der Boom der Sportwetten junge Menschen süchtig macht
Von Amelie Rosée




Phänomen Gaming-Wale: Wer sind die Menschen,die 40.000 Euro für Videospiel-Extras ausgeben?
Von Nora Beyer und Markus Böhm




Automatenzocker mit unbegrenztem Einsatz: Das Millionengeschäft mit Deutschlands heimlichen Spielhöllen
Von Tim Bartz




kig/dpa-AFX
